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 03.07.2017

Medizin- und Gesundheits­tourismus im Saarland

Foto: robdoss – stock.adobe.com

Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor des Saarlandes. Nach Angaben des Statistischen Amtes wurde 2016 mit 1.021.439 Gästeankünften erstmals die Millionen-Marke überschritten. Das bedeutete ein Plus von 3,8 Prozent gegenüber 2015. Auch die Zahl der Übernachtungen erreichte einen Höchstwert. Hier wurde 2016 erstmals die Drei-Millionen-Marke geknackt.
Dass offensichtlich immer mehr Gäste die Schönheiten unseres Landes zu würdigen wissen, ist erfreulich. Aber welche Rolle spielt dabei der Medizin- und Gesundheitstourismus? In Zeiten, in denen das Gesundheitsbewusstsein wächst, Fitness bis ins hohe Alter angestrebt wird und die Work-Life-Balance eine wichtige Rolle spielt, eine Frage, der es sich nachzugehen lohnt.
Da das Thema Medizin- und Gesundheitstourismus im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr des Saarlandes angesiedelt ist, haben wir Ministerin Anke Rehlinger (SPD) hierzu einige Fragen gestellt. Abschließend hat die Ministerin für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, Monika Bachmann (CDU), Stellung genommen.

Das Saarland wirbt seit Jahren als Wander- und Radfahrland um Gäste. Da scheint es nur ein kleiner Schritt zum Gesundheitstourismus zu sein. Ist das Saarland hierfür bereit?
Anke Rehlinger: Ja, und den „kleinen Schritt“ sind wir schon gegangen. Im Saarland gab es bereits vor Jahren spezielle Gesundheitskongresse zum Thema Wandern. Wir haben attraktive Kurstandorte, und die Zahl der Übernachtungen in diesen Einrichtungen war für die Gesamtbilanz der Tourismuswirtschaft immer wichtig. Seit einigen Jahren bearbeiten wir nun das Thema noch einmal intensiver. Auch in der strategischen Tourismuskonzeption, die wir gemeinsam mit einer großen Zahl von Branchenkennern erarbeitet haben, nimmt deshalb der Gesundheitstourismus breiten Raum ein. Da liegt viel Potential, das hat auch eine wissenschaftliche Studie gezeigt, und das wollen wir offensiv nutzen. Seit 2015 setzen wir mit dem „Netzwerk Hören“ einen Schwerpunkt, der eine spezielle, aber wichtige Zielgruppe anspricht. Allgemein bildet die gute Ausstattung des Saarlandes mit Premiumwanderwegen und zertifizierten Radrouten für das Branchensegment Gesundheitstourismus eine gute Kulisse. Die Menschen suchen das Naturerlebnis und empfinden es selbst als gesundheitsfördernd. Die „MediClin Bliestal Kliniken“, um nur ein Beispiel zu nennen, binden das Wandern ausdrücklich in ihr medizinisch-therapeutisches Portfolio ein. Psychisch belastete Personen nehmen das Angebot gerne wahr.

Heilbäder haben Gesundheit und Tourismus schon immer miteinander in Einklang gebracht. Wo liegen nach Ihrer Meinung besondere Chancen des Gesundheitstourismus im Saarland?
Anke Rehlinger: Man muss das Thema immer im Zusammenhang mit der Landschaft und in Kombination etwa mit kulturhistorischen Angeboten sehen. An reizvoller Landschaft fehlt es uns nicht, da liegen sicher Chancen. Abgesehen von den Heilbädern und Kurorten sind auf dem saarländischen Markt eine Reihe von Anbietern schon auf dem Weg, diese Chancen offensiv zu nutzen. Zum Beispiel auch mit der Orientierung auf Wellness. Die Saarland-Therme und das Flair Parkhotel mit dem Vitalis in Weiskirchen gehören dazu. Der Aktiv- und Outdoorbereich sowie in der Biosphäre Bliesgau die Spezialität Naturtourismus bieten insgesamt gute Perspek­tiven.

Es werden spezielle Angebote für Hörgeschädigte beworben, auch das Thema Barrierefreiheit spielt eine wichtige Rolle. Werden die Unternehmen für besondere Kundenkreise sensibilisiert?
Anke Rehlinger: In unserer Tourismuskonzeption wird an viele Stellen deutlich, dass eine Orientierung auf Teilzielgruppen erfolgversprechend ist. Ich glaube, die Botschaft ist in der Tourismuswirtschaft auch angekommen. Das „Netzwerk Hören“ ist eigentlich ein Musterfall. Die größten Kooperationspartner des Projektes sind das Universitätsklinikum des Saarlandes mit der HNO-Klinik und die MediClin Bosenberg Kliniken in St. Wendel. Schwerpunkt beider Kliniken ist die Behandlung von Patienten mit Hörbehinderung und daraus folgend die Versorgung mit Mittelohr- und Cochlea-Implantaten. Da wir es hier mit Menschen zu tun haben, die auf besondere Unterstützung bei der Teilnahme an touristisch- und freizeitrelevanten Aktivitäten angewiesen sind, liegt es nahe, eine Anpassung der touristischen Dienstleister an diese Zielgruppe zu erreichen. Herausfordernde Situationen sind Stadt- oder Museumsführungen, die Beratung in der Tourist-Information sowohl telefonisch als auch persönlich, der Hotelaufenthalt oder auch der Besuch eines Restaurants. In diesen Situationen steigt die Höranstrengung erheblich, und das Verstehen kann unmöglich werden. Ein touristisches und barrierefreies Angebot für diese Zielgruppe ist im Saarland bislang eher spärlich. Deshalb besteht die Aufgabe des Netzwerks auch darin, ein möglichst breitflächiges barrierefreies Angebot zu entwickeln. Dazu zählt beispielsweise die Zimmerausstattung mit Lichtsignalklingeln oder -weckern oder auch die Induktionsschleife an der Rezeption. Ein Sicherheitsaspekt ist auch die Ausstattung mit lichtgebenden Feuermeldern oder einem barrierefreien Notruf in Aufzügen.

Ist auch die Infrastruktur des Landes tauglich, um das Thema „Gesundheitstourismus“ zu bewerben?
Anke Rehlinger: Da gibt es keinen Zweifel. Zur Ermittlung der Potenziale im Gesundheitstourismus haben wir extra eine Analyse machen lassen. Ergebnis war, dass das Saarland über marktrelevante und wettbewerbsfähige Potenziale und Kompetenzen im Medizin- und Gesundheitstourismus verfügt. Quantitativ bedeutet dies: Es gibt mehr als 40 Prozent der Betten in Hotelbetrieben mit Ausrichtung auf oder Potenzial im Gesundheits- und/oder Wellnesstourismus, ein Viertel aller Übernachtungen im Saarland werden in Kurorten und Heilbädern registriert, ein Drittel aller Übernachtungen in Reha-Kliniken. Darüber hinaus gibt es mehrere Thermen und Bäder mit gesundheits- oder wellnesstouristischer Ausrichtung.

Wie groß ist die Wertschöpfung, die der Bereich des Gesundheitstourismus am Tourismus im Saarland insgesamt einnimmt?
Anke Rehlinger: Die Statistik nennt nur Zahlen für den Saar-Tourismus insgesamt. Wir haben es mit jährlichen Brutto-Umsätzen von 1,5 Mrd. Euro zu tun, kein Pappenstiel! Da sind auch die Ausgaben der Tagesgäste mit drin. 33.000 Menschen verdienen bei uns am Tourismus mehr als 600 Mio. Euro pro Jahr. Wie wichtig die Rolle des Segments Gesundheitstourismus für das Gesamtergebnis ist,  darauf gibt es einen Hinweis: Im letzten Jahr gingen knapp 800.000 von drei Millionen Übernachtungen auf Vorsorge- und Rehakliniken zurück. Die Spezialisierung auf bestimmte Indikationen wie beim „Netzwerk Hören“ und auf Selbstzahlerleistungen bietet gesundheitsorientierten Anbietern sicher zusätzliche Chancen zur Steigerung der Wertschöpfung.

Seit mehr als vier Jahren Partner der Gesundheitsmesse SaarVital

Das Gesundheitsbewusstsein spielt in der Bevölkerung eine immer bedeutendere Rolle. Wie wichtig ist es vor diesem Hintergrund, dass sich das Saarland als Gesundheitsregion präsentiert?
Monika Bachmann: Das Saarland als Gesundheitsregion – vor allem auch im Hinblick auf die Grenzregion Saarland – ist natürlich immer an einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit den angrenzenden Ländern, wie z.B. Frankreich interessiert. Deshalb wurde auch das Projekt „MOSAR“ gestartet. Die geplante Kooperation „MOSAR“ zielt darauf ab, den wohnortnahen Zugang zu qualitativ hochwertigen Gesundheitsleistungen im Grenzraum Saarland-Moselle mithilfe einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen den Krankenhauseinrichtungen auf beiden Seiten der Grenze zu verbessern.

Auch für die Saarländerinnen und Saarländer sind Gesundheit, Lebensqualität, Work-Life-Balance, ganzheitliche Lebensführung etc. zentrale Begriffe. Welchen Stellenwert haben da Gesundheitsmessen wie die SaarVital?
Monika Bachmann: Seit mehr als vier Jahren sind wir Partner der SaarVital Gesundheitsmesse. Im Frühjahr und im Herbst kommen zahlreiche Aussteller zusammen und halten ein breites Spektrum an Angeboten im Gesundheitsbereich vor. Tausende Besucher haben bereits davon profitieren können. Vorträge runden die Messe mit wichtigen Tipps und Infos ab. Wir laden daher alle Leserinnen und Leser herzlich ein, unseren Stand bei der SaarVital Messe am 4. und 5. November zu besuchen.

tt


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