Kultur

 30.08.2016

„Theater braucht den Wechsel“

Foto: Bettina Stöß/SST

Dagmar Schlingmann,  Generalintendantin des Saarländischen Staatstheaters (SST), über die neue Spielzeit, die zugleich ihre letzte in Saarbrücken sein wird

Frau Schlingmann, haben Sie sich in den Theaterferien gut erholt?
Dagmar Schlingmann: Ja und nein. Es fällt mir bei so großen Aufgaben schwer, mich ganz auszuklinken, aber hin und wieder gelingt das ganz gut. Dann schaffe ich es, abzuschalten, allerdings keine fünf Wochen lang. Die Theaterferien sind für mich also nicht nur Urlaub, denn die Arbeit ist schon immer dabei

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Die Spielzeit wird traditionell mit einem großen Fest eröffnet. Was erwartet die Besucher am 11. September im und ums Staatstheater?
Dagmar Schlingmann: Eine sehr schöne Tradition ist das Promenadenkonzert am Abend, das wird vom Publikum wahnsinnig gut angenommen. Das Staatsorchester und das Opernensemble geben open air einen Ausblick auf die kommende Musiktheaterspielzeit, dirigiert und sehr charmant moderiert von unserem Generalmusikdirektor Nicholas Milton. Über den ganzen Tag bieten wir Kinderprogramm, Infos zu den ersten Premieren, Kostümversteigerungen, Führungen, Tanzworkshops, erstmals ein Mitmachorchester und vieles mehr.


Im September stehen drei Premierentermine auf dem SST-Programm. Bitte stellen Sie uns die Stücke vor.
Dagmar Schlingmann: „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ von Eugen Ruge ist eine Aufarbeitung deutsch-deutscher Geschichte anhand einer ungewöhnlich erzählten Familienchronik. „Andorra“ von Max Frisch ist ein sehr aktuelles Stück, denn es zeigt, wie Vorurteile eine Gesellschaft vergiften können. Mit dem Hanns-Eisler-Abend „Gegen die Dummheit“ widmen wir uns einem der großen Komponisten der jüngeren Vergangenheit, den die Leute erstaunlich wenig kennen und der ein stark politisch denkender Künstler gewesen ist.


Spannend wird es auch am 1. Oktober …
Dagmar Schlingmann: Ja! „West Side Story“ ist für mich einer der vielen Höhepunkte der Saison. Ich bin glücklich, dass wir in meiner letzten Spielzeit am SST endlich die Aufführungsrechte für dieses fantastische Musical bekommen haben und es als gemeinsame Premiere von Oper und Ballett zeigen können. Ballettdirektor Stijn Celis inszeniert die moderne „Romeo und Julia“ -Geschichte, Generalmusikdirektor Nicholas Milton dirigiert.


Was erwartet die Besucher noch in der Spielzeit 2016/17?
Dagmar Schlingmann: Sehr viel! Insgesamt zeigen wir 30 Premieren, davon zehn Uraufführungen, acht Sinfoniekonzerte und sechs Sonderkonzerte. Ich freue mich im Musiktheater neben „West Side Story“ besonders auf „Tannhäuser“, im Ballett  auf „Bach“ und „Bohner_Celis“, im Schauspiel auf die Uraufführung von Felicia Zeller und natürlich auf meine Abschiedsinszenierung - Shakespeares „Othello“. Aber auch auf die Konzerte mit Christian Lindberg, unserem schwedischen „Artist in Focus“, darf unser Publikum sehr gespannt sein.


Die Spielzeit wird Ihre letzte am Saarländischen Staatstheater sein, danach wechseln Sie ans Staatstheater Braunschweig. Welches wird Ihre letzte Inszenierung in Saarbrücken sein?
Dagmar Schlingmann: Da im Musiktheater zwei Wiederaufnahmen auf dem Spielplan stehen, meine Inszenierungen „Tosca“ und „Der Barbier von Sevilla“, widme ich mich in meiner letzten Saison dem Schauspiel mit „Othello“ im Staatstheater und „La Révolution # 1 – Wir schaffen das schon“ in der Alten Feuerwache, zusammen mit vier Regiekolleg*innen.


Mit welchen Empfindungen blicken Sie den nächsten elf Monaten entgegen?
Dagmar Schlingmann: Mit gemischten Gefühlen. Es fällt mir gar nicht so leicht, nach dieser langen Zeit, in der mir das Theater, die Stadt, das Land und die Menschen ans Herz gewachsen sind, einen Neuanfang zu machen. Aber Theater braucht den Wechsel, und ich freue mich auf meine neuen Aufgaben in Braunschweig.
Insofern sehe ich das nächste Jahr mit einem lachenden und einem weinenden Auge.


Es ist vermutlich noch zu früh für eine Bilanz, aber was war Ihnen in den vergangenen Jahren am SST besonders wichtig?
Dagmar Schlingmann: Das Staatstheater gut zu vernetzen, lokal, regional und international, wie es uns unter anderem mit „Total Théâtre“ gelungen ist.
Ebenso haben wir die Umbauphase während der Bühnentechnik-Sanierung erfolgreich bewältigt und mit der „Außer Haus“-Spielzeit künstlerisch spannend zu gestaltet.
Mir war wichtig, eine gute Projektarbeit aufzubauen mit zahlreichen Laien-, Jugend und Partizipationsprojekten in allen Sparten.
Außerdem konnten wir nicht nur neues Publikum gewinnen, sondern auch für eine Vermischung der Besucher zu sorgen, wie man sie zum Beispiel in der sparte4 gut beobachten kann.


Ihr Nachfolger wird Bodo Busse, der Intendant des ­Landestheaters Coburg. Was wünschen Sie ihm?
Dagmar Schlingmann: Ich wünsche Bodo Busse alles Gute und eine schöne Zeit in Saar­brücken. Und weiterhin so ein fantastisches, begeisterungsfähiges Publikum, wie ich es hier erleben durfte!


© 2015 Saarländische Wochenblatt Verlagsgesellschaft mbH

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