Menschen

 05.04.2017

Giacomo Santalucia - Brückenbauer zwischen den Kulturen

Foto: AOK

Karitatives Engagement liegt Ihnen sehr am Herzen. Was bewegt Sie, sich für Ihre Mitmenschen einzusetzen?
Giacomo Santalucia: Als 14-Jähriger bin ich schwer erkrankt. Die Ärzte hatten mich schon aufgegeben. Ein Schäfer, mit dem ich dann einige Zeit unterwegs war, gab mir Mut. Er sagte, dass ich nicht sterben werde, da ich zu denen Menschen zähle, die auf der Erde noch einen Auftrag hätten. Er hatte Recht. Ich machte mich dann auf  die Suche nach Projekten, mit denen ich anderen Menschen helfen kann.

An welche Aktionen erinnern Sie sich besonders?
Giacomo Santalucia: Eigentlich liegen mir alle am Herzen. Ganz besonders berührte mich die Freude eines armen Kindes, dem ich im Rahmen einer Weihnachtsfeier in letzter Minute noch ein blaues Bobbycar besorgen konnte. Diese Feier war für jeweils hundert kranke arme und geflüchtete Kinder organisiert worden. Aber auch das Dorf in Tansania fällt mir in diesem Zusammenhang ein. So konnten dort neben Wohn­häusern auch eine Schule errichtet werden. Besonders viel Beachtung findet auch der Europawald der Gerechtigkeit in Eppelborn. Er steht für die Verständigung der Völker. Für jede gute Tat ein Baum. Mit viel Engagement beteiligten sich die saarländischen Sportvereine an der Friedenskette, die inzwischen 5,4 Kilometer lang ist. Jeder Verein hat mindestens 25 Euro gespendet. Das Geld kommt auch bedürftigen Kindern zu Gute.

Sie sind Christ. Wie wichtig ist es für Sie den Dialog zum Islam zu suchen?
Giacomo Santalucia: Sehr wichtig ist ein enger ­Kontakt zwischen den Menschen, um Vorurteile abbauen zu können. Schließlich haben Christen und der Islam gleiche Werte, wie die Friedensbotschaft. Es muss einen ständigen Dialog geben mit dem menschliche Brücken gebaut werden können. Die Religion wird von Einzelnen für Kriege und Terror missbraucht.

Teilen Sie die Auffassung des Tübinger Theologen Hans Küng, dass es für alle Religionen einen gemeinsamen „Weltethos“ gibt?
Giacomo Santalucia: Ja, das habe ich schon erwähnt. Es gibt gemeinsame Werte, Ideale und Ziele, wie Toleranz, ­Solidarität, Gewaltlosigkeit und Gleichberechtigung. Alle ­Religionen kennen das Prinzip der Gegenseitigkeit – was du nicht willst, das man dir tu, füge auch keinem anderen zu.

Mit dem deutsch-italienischen Bildungs- und Kulturinstitut (dibk) haben sie einen großen Beitrag zur Integration geleistet. Was bietet das Institut derzeit an?
Giacomo Santalucia: Schon lange engagiere ich mich für italienische Migranten und merkte, dass diese sich zwischen zwei Stühlen fühlten. Im Rahmen des Com.it.de stand ich dann dem italienischen Konsulat beratend zur Seite. Doch ich wollte auch die Deutschen für die Integration ge­­winnen und gründete dibk. So konnte eine Vielzahl von Ideen umgesetzt werden, die zu einem friedlichen Zusammenleben beitragen. Inzwischen ist dibk bundesweit für alle Migranten geöffnet. Wir arbeiten mit der IHK zusammen, bieten Kurse an und veröffentlichen ein Lifestyle-Magazin.

Dibk setzt sich vor allem auch für ein Europa ohne ­Schranken ein. Wie wichtig sind für Sie gerade heute die Europäische Union und die Partnerschaften?
Giacomo Santalucia: Europa ist ein ganz großes Friedensprojekt, das an der Basis beginnt. Ohne das Verständnis der Menschen, ist ein geeintes Europa nicht möglich. Ich engagiere mich deshalb für Städtepartnerschaften in Eppelborn, Marpingen und künftig auch in St. Wendel. Diese Partnerschaften benötigen zwar am Anfang jemanden, der sie begründet und antreibt. Doch ohne die Vereine und Schulen werden sie nach kurzer Zeit nur noch auf dem Papier stehen. Nötig sind aber eine lebendige Partnerschaften, mit vielen gegenseitigen Besuchen. Dabei lernen sich die Teilnehmer ­kennen und schätzen. Vorurteile gehören dann der Vergangenheit an.

nob


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