Menschen

 03.06.2017

Kommunalpolitik ist nicht die Ebene der Konfrontation

Vor 15 Jahren wurden Sie in den Ruhestand verabschiedet. Was macht der frühere Homburger Oberbürgermeister heute?
Reiner Ulmcke: Ich habe ein Buch geschrieben. Bei dem rund 200 Seiten umfassenden Werk handelt es sich um eine Gesamtdarstellung der Homburger Geschichte, die es so bisher nicht gab. Dafür habe ich zwei Jahre recherchiert und weitere zwei Jahre geschrieben. Meine Frau Helga hat die Texte in den Computer eingegeben. „Homburg – Vergangenheit und Gegenwart“ ist ein Nachschlagewerk, das auch für Neubürger sehr interessant ist. Der Erlös aus dem Verkauf kommt der Stadt zugute. Ich bin außerdem noch in gemein­nützigen Vereinen tätig und engagiere mich im Aufsichtsrat des FC Homburg. Zur Erhaltung der Gesundheit spiele ich ­Tennis und wandere mit meiner Frau in historischen Gegenden aber auch im Bliestal. Viel Zeit verbringe ich mit meinen fünf Enkeln. Zudem haben wir eine kleine Ferienwohnung in Baden-Baden. Dort nutzen besuchen wir Konzerte im Festspielhaus.

Wie beurteilen Sie die derzeitige Situation der Kommunen?
Reiner Ulmcke: Als Präsident des saarländischen Städte- und Gemeindetages habe ich deren Interessen lange Zeit energisch vertreten. Im kommunalen Bereich gibt es Standortprobleme. Dazu kommen eine unzureichende Finanzausstattung und die Behinderung der Gestaltungsmöglich­keiten durch übergeordnete Behörden. Außerdem werden oft übertriebene Ansprüche herangetragen – da geht es dann eher um Bedarfsweckung statt -deckung. Es widerspricht auch der kommunalen Selbstverwaltung, dass bei der Aufstellung von Windrädern das Landesumweltamt das letzte Wort hat.

Über das Thema Windkraft wird überhaupt heftig ge­­stritten. Wie ist hier ihr Standpunkt?
Reiner Ulmcke: Die Gefahren durch Infraschallwellen und die Naturschutzbelastung werden oft unterschätzt. Auch gibt es im Saarland keine Abstandsregeln zu den Häusern. In Bayern ist das gut gelöst. Da sind 2000 Meter vorgeschrieben, was die Höhe des Windrades mal zehn bedeutet. Aus meiner Sicht ist es auch unverantwortlich, die Räder in der Nähe der Homburger Uni-Klinik aufzustellen. Freuen werden sich immer nur die Grundstückseigentümer, die im Regelfall rund 50000 Euro im Jahr verdienen.

In den politischen Gremien gibt es immer mehr Parteien. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?
Reiner Ulmcke: Das erschwert oft die Arbeit der ­Verwaltung und der Räte. An sich sollte die Kommunalpolitik die Ebene der Zusammenarbeit sein und nicht der Konfrontation, wie es auf Bundes- und Landesebene oft der Fall ist. Ob ein Spielplatz gebaut wird, ist eine Frage des gesunden Menschenverstandes und nicht der Weltanschauung. Hilfreich für eine gute Kommunalpolitik sind Bürgernähe, Glaubwürdigkeit, Durchschaubarkeit und Kontinuität. Die Bindung an die traditionellen Parteien lässt spürbar nach, was an interessensorientierten Strömungen in der Bevölkerung liegt. Allerdings haben hinzugekommene Parteien keinen Dauerbestand, wie am Beispiel der Piraten zu sehen war. Es liegt oft an der Ausstrahlungskraft der jeweiligen Vorsitzenden, ob sich eine Partei längerfristig durchsetzen kann.

In den FC Homburg stecken Sie viel Herzblut. Wie hart trifft sie die derzeitige Situation?
Reiner Ulmcke: Der Abstieg des Vereins hat Mitglieder und Fans hart getroffen. Dank der großzügigen Unter­stützung von Naturwaren Theiss hat er aber eine gute Finanzausstattung. Die eingesetzten Spieler entsprachen nicht den Erwartungen. Der FC Homburg war in den Bundesliga­jahren ein bedeutender Imagefaktor für die Stadt, der gelegentlich noch nachwirkt. Es ist unbedingt nötig alle Kräfte zu bündeln, um den Wiederaufstieg zu schaffen.

Wenn Sie einen Wunsch für die Stadt Homburg frei hätten  – wie würde der lauten?
Reiner Ulmcke: Ich würde mir wünschen, dass alle kommunalpolitisch Verantwortlichen das Beste für Homburg anstreben und dann auch erreichen. nob


© 2015 Saarländische Wochenblatt Verlagsgesellschaft mbH

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