Politik

 08.02.2017

Digitale Großregion – Glasfaser alternativlos

Modernes DSL ist heute unverzichtbar. Foto: ChiccoDodiFC - Fotolia.com

Industrie 4.0 Anwendungen, autonomes Fahren, Datenaustausch in Echtzeit, digitale Bildung, totale Vernetzung – damit das alles funktioniert, ist eine digitale Infrastruktur mit einem möglichst flächendeckenden Glasfasernetz notwendig. Doch der Ausbau, sprich Glasfaser bis ins Haus (Fiber To The Home FTTH), steckt in Deutschland mit einer Anschlussquote von 2 bis 3 Prozent noch in den Kinderschuhen. Viel zu lange habe man in Deutschland auf die alte Kupfertechnologie gesetzt, beklagen die Netzbetreiberverbände.

Um die riesigen Datenmengen transportieren zu können, gibt es zu Glasfaser keine Alternative. Ein flächendeckendes Glasfasernetz würde Berechnungen von Fachleuten zufolge in Deutschland zwischen 100 und 120 Milliarden Euro kosten.

Andere Länder machen es vor und investieren Milliardenbeträge in den Aufbau ihrer Netze, wohlwissend, dass dort der Schlüssel für die künftige Wettbewerbsfähigkeit eines Landes liegt. Zwar hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur ein milliardenschweres Förderprogramm für das schnelle Internet aufgelegt, damit auch ländliche Gebiete in den Genuss schnellerer Internetverbindungen kommen. Aber das dürfte kaum reichen.

Wie steht es um den Glasfaserausbau in der Großregion? Während das Großherzogtum Luxemburg sich anschickt, bis Ende 2018 so gut wie alle Haushalte ans Glas zu bringen, soll im Saarland zumindest 50 Megabit/Sekunde (Mbit) im gleichen Zeitraum für jeden Haushalt zur Verfügung stehen. Luxemburg verfolgt eine andere Strategie. Dort ist die Post Luxembourg über ihr Tochterunternehmen Post Technologies vom Staat beauftragt, das Glasfasernetz aufzubauen. Im Gegenzug verzichtet der Staat als Anteilseigner auf die Dividende. Die wichtigsten Serviceprovider in Luxemburg sind die Luxemburger Post, Cegecom aus der artelis-Gruppe, an der die VSE zu 90 Prozent beteiligt ist, die fusionierten Tango und Telindus mit dem belgischen Hauptanteilseigner Proximus sowie Orange mit France Telecom.
Im Rahmen des nationalen Digitalisierungsprogramms Frankreichs mit 20 Milliarden Euro soll das Departement Moselle bis 2022 ein flächendeckendes Hochgeschwindigkeitsnetz erhalten. Darum kümmert sich der 2015 gegründete Zweckverband Moselle Fibre. 175.000 Haushalte sollen in den nächsten fünf Jahren einen FTTH-Anschluss erhalten. Dieses Vorhaben kostet 200 Millionen Euro, die sich private Netzbetreiber, die kommunalen Gebietskörperschaften und der Staat mit 62 Millionen Euro teilen. Bereits vor gut zehn Jahren wurde im Moseldepartement ein Glasfasernetz für ca. 70 Millionen Euro aufgebaut. Die größten mobilen Internetbetreiber sind Orange, SFR, Bouygues Telecom mit eigenen Netzen.

Im Saarland kümmert sich der kommunale Zweckverband eGo-Saar um den landesweiten Breitbandausbau neben den Initiativen der privaten Netzbetreiber. Damit schnelles Internet auch in die ländlichen Gebiete kommt, koordiniert eGo-Saar das landesweite Breitbandprojekt „NGA-Netzausbau Saar“ (Next Generation Access). Rund 50.000 Gebäude mit ca. 70.000 Anschlüssen von privaten und gewerblichen Kunden sollen mit mindestens 50 Mbit angeschlossen werden. Das Bundesverkehrsministerium mit 7,8 Millionen Euro, das Land mit 3,9 Millionen Euro sowie die Kommunen mit 1,3 Millionen Euro fördern dieses Vorhaben. Dabei wurde das Saarland räumlich in sechs so genannte Haupt-Lose unterteilt. Welcher Netzbetreiber mit seinem Angebot wo den Zuschlag erhält, wird voraussichtlich bis zum Frühjahr 2017 entschieden. Neben den großen Netzbetreibern wie die Deutsche Telekom kümmern sich im Saarland um den Breitbandausbau vor allem die VSE NET aus der VSE-Gruppe sowie Inexio aus Saarlouis. Zu den Serviceprovidern zählt auch das Saarbrücker Unternehmen Intersaar. Mit der flächendeckenden 50 Mbit-Versorgung bis 2018 werde das Bandbreitenziel des Bundes erreicht, betont Projektleiter Thomas Haböck vom ego-Saar, das Infrastrukturziel aber noch lange nicht, denn der weitere Ausbau mit Glas soll auf die 50 Mbit-Versorgung aufsetzen. Weitere Gelder müssen fließen, um bis 2025 von der Gigabit-Gesellschaft reden zu können.

nea


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