Sport

 31.05.2016

Fußball-EM im Zeichen des Terrors

Foto: Jenny Sturm - Fotolia

Vom 10. Juni bis 10. Juli dieses Jahres steht Europa wieder ganz im Zeichen des Fußballs. Wenn es bei der Europameisterschaft in Frankreich wieder heißt „das Runde muss ins Eckige“, fiebern Millionen Fußballfans aus 24 teilnehmenden Nationen mit ihrer Mannschaft, drücken Daumen, diskutieren, sind begeistert oder enttäuscht. Ein sportliches Mammutevent, zu dem Frankreich sowohl in den zehn Stadien als auch bei Public Viewing-Großveranstaltungen insgesamt rund 7 Millionen Zuschauer erwartet, von denen zweieinhalb Millionen die 51 Spiele im Stadion verfolgen.

Doch neben der Begeisterung schwingt die Angst vor islamistischen Terrorattacken mit. Seit den Attentaten in Paris im November 2015 und in Brüssel im März 2016 hat sich die Sicherheitslage für die Fußball-EM dramatisch verändert. Der Anschlag in der Nähe des Fußballtempels in Saint-Denis im Norden von Paris beim Freundschaftsspiel Frankreich gegen Deutschland hat gezeigt, wozu islamistische Selbstmordattentäter in der Lage sind. Der im November verhängte Ausnahmezustand soll nach Willen der französischen Regierung zumindest bis Ende Juli verlängert werden, denn im Juli gibt es mit der Tour de France gleich das nächste sportliche Megaevent. Damit kann die ­Polizei zum Beispiel Durchsuchungen und Verhaftungen ohne richterliche Genehmigung durchführen oder Besucher an der Einreise hindern.

Fußballfans sollten sich darauf einstellen, dass die Stadien und auch das weiträumige Umfeld einer Festung gleichen werden. Neben Polizei und Spezialeinheiten wie die Elitetruppe Raid, ähnlich der GSG9, kommen rund 10000 private Sicherheitsleute zum Einsatz. Scharfschützen sollen die Eingänge aller Stadien überwachen. Überwachungskameras, Metalldetektoren, Spürhunde und Drohnen werden darüber hinaus eingesetzt. Selbst Übungen wie mögliche Chemieattacken wurden in Frankreich durchgeführt. Jeder Besucher ob im Stadion oder bei Public Viewing-Großveranstaltungen wird kontrolliert und abgetastet. Fans sollten sich auf lange Wartezeiten einstellen und daher rechtzeitig anreisen.

Die intensiven Kontrollen und Sicherheitsvorkehrungen dürften Anschläge auf Stadien, Fanzonen sowie auf Mannschaftsquartiere eher unwahrscheinlich machen. Sorge bereiten den Sicherheitskräften vielmehr spontane Siegesfeiern mit Menschenansammlungen, Public Viewings in Bars oder Biergärten oder Spontanattentate Einzelner, der so genannten einsamen Wölfe. Zwar werden öffentliche Plätze, Bahnhöfe, Flughäfen und selbst Grenzübergänge – davon ist auch das Saarland betroffen – intensiv überwacht, aber eine 100-prozentige Sicherheit kann niemand garantieren.

Absagen wollten die Verantwortlichen die EM aber auf keinen Fall. Das wäre eine Niederlage gegenüber den Terroristen, wie Premier Manuel Valls betonte. Selbst Geisterspiele vor leeren Rängen, wie es die UEFA ins Spiel brachte, dürften vom Tisch sein.

Doch auch andere Länder, die im Visier der Terroristen stehen, sollten weiter auf der Hut sein. Während Frankreich einem Hochsicherheitstrakt gleicht, könnten Islamisten weiche Ziele im Ausland suchen wie gut besuchte Touristenorte und jederzeit zuschlagen. Fußballfans dürfen sich daher auch in Deutschland auf intensive Kontrollen einstellen zum Beispiel beim Public Viewing. Obwohl die Zusammenarbeit bei der ­Terrorabwehr auf europäischer Ebene noch viele Wünsche offen lässt, wird Deutschland auf Wunsch der Franzosen ­Polizeibeamte nach Frankreich schicken zur Unterstützung beim Public Viewing.

Sollte es trotzdem zu islamistischen Gewaltakten kommen, müssten sich Besucher auf drastische Einschränkungen gefasst machen. Der Zusammenbruch der Mobilfunknetze, Verkehrsbeschränkungen, Engpässe durch vorzeitiges Abreisen oder massive Sicherheitsoperationen wären mögliche Auswirkungen von Terrorakten. Die islamis­tische Bedrohung schwingt bei der EM nun mal mit. Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen und den damit verbundenen Unannehmlichkeiten sollten sich Fußballfans die Freude nicht nehmen lassen, denn dann hätten am Ende die Terroristen gesiegt. Und das will niemand.  nea


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