Menschen

 24.04.2012

Ein Klavier als Lebensretter

Vor 65 Jahren spielte Rudolf Strassner in einem russischen Straflager auf diesem Klavier. Seit kurzem steht es bei der Patton-

In der ungewöhnlichen Geschichte des bekannten saarländischen Pianisten und Komponisten Rudolf Strassner wurde ein weiteres Kapitel aufgeschlagen: Rudolf Strassner geriet 1945 im Alter von 17 Jahren in russische Kriegsgefangenschaft und musste in einem Straflager in Brjansk, einer Industriestadt südlich von Moskau, täglich Baumstämme im Tal des Flusses Desna schleppen.
„Das war nur auszuhalten, weil ich innerlich immer in meiner geliebten Musik lebte“, sagt Strassner heute. Er sang und summte während der Zwangsarbeit Melodien, die ihm einfielen. Die Leiterin des Gefangenenlagers wurde so auf ihn aufmerksam und er durfte probeweise auf dem Klavier des Lagers spielen. Die Lagerverantwortlichen waren so begeistert vom Klavierspiel des jungen Strassner, dass er nicht wie seine Mitgefangenen nach Sibirien transportiert wurde, sondern im Lager verblieb.
Strassner musste nun keine Baumstämme mehr schleppen, sondern erteilte Klavierunterricht, stimmte Klaviere und Flügel. Er erhielt sogar den Auftrag ein Orchester und einen Chor für das Lager zusammenzustellen, welche regelmäßig Konzerte gaben. Im Herbst 2010 kehrte Rudolf Strassner im Rahmen einer Filmdokumentation seiner Lebensgeschichte zum ersten Mal an den Ort seiner fast vierjährigen russischen Kriegsgefangenschaft in der südrussischen Stadt Brjansk-Beshiza zurück. Er fand dort auf dem Gelände des früheren Kriegsgefangenlagers das Klavier der Marke „Desna“, das ihm das Leben gerettet hat. Es stand immer noch im Gebäude seiner damaligen Lagerkommandantin. Strassner war zu Tränen gerührt, als er vor seinem alten Klavier stand.
Helen Patton, Gründerin der Patton-Stifung (Hauptsitz in Saarbrücken) war von dieser Geschichte so fasziniert, dass sie alles in Bewegung setzte, um das Klavier als ein Symbol des Friedens ins Saarland zu holen. Zusammen mit dem Filmteam Voltmer und Erika Freund machte sich Helen Patton auf den Weg nach Russland, um das Instrument nach Saarbrücken transportieren zu lassen.
Nun steht dieses Klavier in den Räumen der Patton Stiftung in der Saargemünder Strasse 70 in Saarbrücken. Und so wird Rudolf Strassner wieder darauf spielen – hier in seiner Heimat Saarbrücken, nach mehr als 65 Jahren. red./sh


© 2013 Saarländische Wochenblatt Verlagsgesellschaft mbH

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