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 08.02.2017

Die Lycées Professionnels auf deutscher Seite stärker ins Bewusstsein rücken

Der saarländische Bildungsminister Ulrich Commerçon und die Leiterin der Schulbehörde Académie de Montpellier, Armande LePellec Muller, haben am 23. Januar 2017 die Einrichtung eines neuen deutsch-französischen Berufsschulzweiges im Bereich Tourismus vereinbart. Foto: Regionalverband/Daniel Schappert

Seit September 2016 bekleidet Catherine Robinet das Amt als Generalkonsulin der Republik Frankreich im Saarland. Sie hat die Büroräume am Saarbrücker Ludwigsplatz, vor denen gut sichtbar die Tricolore weht, vor fünf Monaten von Frédéric Joureau übernommen, der nach vier Jahren das Saarland wieder Richtung Paris verlassen hat. Die Entscheidung des Quai d’Orsay, 2012 einen deutschlanderfahrenen und bilingual versierten Diplomaten nach Saarbrücken zu entsenden, hat letztes Jahr eine Fortsetzung gefunden. Eine Sprachbarriere kennt auch die aus Saint-Avold gebürtige Nachfolgerin nicht, die in Forbach aufgewachsen ist. „Ich wollte absolut nach Saarbrücken kommen“, erzählt Catherine Robinet im Interview. Doch das war nicht so einfach, denn es gebe stets viele Bewerber um den Posten eines Generalkonsuls, vor allem in Europa, ergänzt sie.

Ausschlaggebend für ihre Entscheidung war auch ihr expliziter Wille, endlich wieder Deutsch sprechen zu können. Der diplomatische Werdegang von Catherine Robinet umfasst zwar Aufenthalte im deutschsprachigen Ausland 1995-1996 damals noch am Regierungssitz in Bonn und von 1998-1999 an der französischen Botschaft in Bern, aber seitdem sind fast 20 Jahre vergangen. Und nun also Saarbrücken … mit Erinnerungen im Gepäck an Einkaufstouren in der Bahnhofstraße, an den Deutsch-Französischen Garten oder an die Musikkneipe „La Guitarra“ … Die hat schon lange geschlossen, aber der DFG als Naherholungsgebiet erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit und die kauffreudige Kundschaft aus dem grenznahen Lothringen bummelt mehr denn je durch die Saarbrücker City.

Das Amt als französische Generalkonsulin hat zahlreiche Facetten. Trotz der Grenznähe wissen viele Franzosen nicht, wie es in Deutschland ist – umgekehrt ebenso, deshalb sieht Catherine Robinet eine zentrale Aufgabe im beidseitigen Informieren, Erklären und Netzwerken. Sie tritt dabei ganz bewusst in die Nachfolge von Amtsvorgänger Frédéric Joureau, der hier wichtige Arbeit geleistet hat. Um französische Jugendliche für den deutschen Arbeitsmarkt fit zu machen, bedarf es zunächst und vor allem bilingualer Sprachkenntnisse, darüber ist man sich in beiden Ländern einig. Aber es müssen auch grenzüberschreitende Ausbildungsmöglichkeiten geschaffen werden; und hier steckt die Kooperation noch in den Kinderschuhen. Ein wichtiger Schritt war am 23. Januar 2017 die Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung zwischen dem KBBZ Saarbrücken-Halberg und dem Lycée des métiers de la gastronomie, de l’hôtellerie et des tourismes Georges Frêche in Montpellier über die Einrichtung eines neuen deutsch-französischen Berufsschulzweiges im Bereich Tourismus. Die Vereinbarung beinhaltet einen Austausch von Auszubildenden und Lehrern gleichermaßen, die Leistungen der Schüler werden wechselseitig anerkannt.

Es ist deutschlandweit erst die dritte Kooperation eines Lycée Professionnel und einer Berufsschule. Die Zusammenarbeit auf dieser Ebene zu forcieren, sieht Catherine Robinet als eine zentrale Aufgabe ihrer Amtszeit an. Dazu sei es erforderlich, sagt sie, erst einmal die Struktur der Lycées Professionnels und des Bac Profesionnel hierzulande bekannter zu machen. Es sei nicht richtig, wenn kritisiert werde, die praktische Ausbildung komme dort zu kurz, die Schüler seien vielmehr 22 Wochen in praktischer Ausbildung. Sie wolle sich dafür einsetzen, so die Generalkonsulin, dass das Bac Professionnel in Deutschland größere Anerkennung findet und Jugendliche, die hier arbeiten wollen, ihre Ausbildung nicht wieder bei Null beginnen müssen.

Gerade einmal drei schulische Kooperationen auf dieser Ebene gibt es – das zeigt, wie langsam trotz guten Willens die Mühlen mahlen. Die im Januar 2014 beschlossene Zusammenarbeit zwischen dem Lycée Professionnel Flora Tristan in Latresne bei Bordeaux und der Gewerblich-Technischen Schule Offenbach im Bereich der Luftfahrttechnik hatte Modellcharakter. Zum Ausbildungsjahr 2015/2016 wurde ein deutsch-französischer Berufsschulzweig im Bereich Automobil ins Leben gerufen. Partner sind hier das BBZ in St. Ingbert und das Lycée Professionnel Régional André Citroën in Marly bei Metz. Und jetzt eben die Verbindung Saarbrücken – Montpellier!

Der Abschluss derartiger Kooperationen braucht Zeit und muss viele bürokratische Hürden überwinden, so dass sich erst nach und nach solche Schulkooperationen umsetzen lassen. Ein erster Schritt in den deutschen Arbeitsmarkt könnten Praktika sein, hier hofft die Generalkonsulin auf die Öffnung saarländischer Unternehmen für junge Franzosen.

Die Frankreichstrategie der saarländischen Landesregierung dürfte diesen Prozess beschleunigen und flankierend wirken. Mit großer Freude hat Catherine Robinet seit ihrem Amtsantritt die vielfältigen Aktivitäten im Rahmen der Frankreichstrategie wahrgenommen, gefördert und unterstützt. Erst vor wenigen Tagen fand unter Federführung der Ministerpräsidentin in der Staatskanzlei der zweite „Runde Tisch Frankreich“ statt, an dem etwa 120 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft teilnahmen. In diesem Rahmen wurde ein gemeinsames Sprachförderprogramm der Landesregierung mit dem Departement Meurthe-et-Moselle vorgestellt. 26 Mitarbeiter-Tandems haben sich dabei verpflichtet, in vorgegebenen Zeitabschnitten mit dem Tandem-Partner jeweils in der Sprache des Anderen per E-Mail und per Telefon Kontakt aufzunehmen und sich auszutauschen.

Das Tätigkeitsfeld als Generalkonsulin umfasst einerseits eine Schlüsselrolle als Ansprechpartnerin und Vermittlerin bei deutsch-französischen Themen. Catherine Robinet ist in diesem Sinne Vertreterin der Republik Frankreich im Saarland gegenüber der Politik, ortsansässigen Organisationen und Einrichtungen. Sie ist aber auch zentrale Ansprechpartnerin für die im Saarland lebenden Franzosen. Ähnlich wie die Saarländerinnen und Saarländer werden auch diese 2017 für politische Weichenstellungen zu den Wahlurnen gebeten. Allerdings ist hierfür zunächst eine Registrierung erforderlich. Davon machen etwa 3.500 im Saarland lebende Franzosen Gebrauch. Sie sind aufgerufen, bei den Präsidentschaftswahlen am 23. April und am 7. Mai (zweiter Wahlgang) ihre Stimmen abzugeben. Mit großem Interesse wird man weit über die französische Gemeinde hinaus auch das Ergebnis der Wahlen zur Nationalversammlung verfolgen, die am 11. Juni und am 18. Juni (zweiter Wahlgang) stattfinden werden. An den vier Wahlsonntagen werden drei Wahllokale in Saarbrücken eingerichtet: eines im Generalkonsulat, zwei in der Villa Europa. Pro Wahltermin die notwendigen 18 Wahlhelfer zu finden, ist nicht leicht, zumal sie aus dem Kreis der zu den Wahlen registrierten, im Saarland lebenden Franzosen kommen müssen.

Wer am Abend des 7. Mai als Gewinner aus den Präsidentschaftswahlen hervorgeht, scheint völlig offen. Derzeit sind fallende Werte für die Sozialisten auszumachen (Ex-Premier Manuel Valls oder Benoit Hamon – die Stichwahl erfolgte nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) und parallel ein stark aufkommender unabhängiger Kandidat Emmanuel Macron – ehedem Minister im Kabinett Valls und Berater von François Hollande. Dazu haben François Fillon, der Kandidat der Konservativen, und Marine le Pen vom Front National Chancen auf die Stichwahl. Über die Wahlergebnisse ihrer französischen Landsleute im Saarland wird Catherine Robinet ebenso nach Paris zu berichten haben wie über die Wahlen zum saarländischen Landtag am 26. März. Auch das gehört zu ihren Aufgaben als Vertreterin Frankreichs an der Saar.

Dr. Thomas Trapp


© 2015 Saarländische Wochenblatt Verlagsgesellschaft mbH

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