Politik

 27.10.2016

Neues Energiezeitalter in Lothringen?

Bis in eine Tiefe von 1500 Meter reichen die bisher durchgeführten Probebohrungen. Foto: Armin Neidhardt

In den Tiefen der lothringischen Erde schlummert ein echter Schatz: Kohleflözgas. Fachleute schätzen die Vorkommen in den ehemaligen Steinkohleabbaugebieten in Lothringen und Nordfrankreich auf über 400 Milliarden Kubikmeter. Das reicht aus, um den gesamten Gasverbrauch Frankreichs für acht bis zehn Jahre abzudecken. Ein Schatz, den das Energieunternehmen Française de l’Energie (FDE) mit Sitz in Forbach gerne heben möchte. Seit 2005 ist das Unternehmen damit beschäftigt, den Start der Produktion von Kohleflözgas in Lothringen vorzubereiten. Analysen, Probebohrungen, Gutachten unabhängiger Institute, Genehmigungen, wirtschaft­liche Entwicklungspläne – die rund 20 Beschäftigten von FDE haben alle Hände voll zu tun. „Wenn es gut läuft, könnte es Ende 2018 richtig losgehen“, erklärt Generaldirektor Antoine Focinal. Dann könnte FDE die begehrte Konzession vom französischen Staat in den Händen halten, die es erlaubt, für die nächsten 10 bis 25 Jahre die Gasvorkommen auszubeuten.

Saarland schaut interessiert zu

Finanziell hat sich das Unternehmen für dieses Projekt scheinbar gut vorbereitet. Unternehmenschef Julien Moulin war es bereits 2009 gelungen, das ehemals australische Unternehmen European Gas Limited mit dem Geld von Großindus­triellen Frankreichs vollständig unter französische Kontrolle zu bekommen. Im Juni dieses Jahres ging FDE an die Börse. Mit frischem Kapital und der Beteiligung institutioneller Anleger wie Banken wurde die finanzielle Basis von FDE auf eine neue Basis gestellt. Trotz derzeit niedriger Gaspreise weltweit zeige der gelungene Einstieg an der Börse, dass der Glaube an den Erfolg des Projekts riesengroß sei, freut sich Antoine Focinal. Denn die bereits getätigten Investitionen von ca. 42 Millionen Euro seit 2006 und die weiteren geplanten 25 Millionen Euro müssen sich irgendwann rechnen. Das Gas von FDE sei mehr als wettbewerbsfähig, zeigt sich der Generaldirektor optimistisch. Neben der hohen Qualität von 96 Prozent Methangehalt gegenüber dem importierten Gas mit 93 Prozent könnte FDE das Gas direkt vor Ort den potentiellen Kunden wie Stadtwerke oder großen Industriekunden liefern. „Keine Zwischenhändler, keine weiten Transportwege, keine Aufbereitung, günstige Lagermöglichkeiten in natürlichen Speichern in der Erde und ein Druck von 8 bar machen das Gas von FDE absolut wettbewerbsfähig“, so Focinal. Und vor allem gibt es keine Abhängigkeit vom Ausland wie Russland und Algerien. Auch deutsche Firmen, speziell aus dem Saarland, schauen mit Interesse nach Frankreich, denn die geologischen Gegebenheiten in den Tiefen Lothringens und des Saarlandes ähneln sehr.

Kein Fracking

„Mit Fracking, wie man es aus Australien, den USA und Kanada kennt, hat die Gasgewinnung bei FDE nichts zu tun“, erläutert Antoine Focinal. Beim herkömmlichen Fracking ­müssen Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden gepresst werden, um das Gas zum Beispiel aus Schiefergestein herauszulösen. „Das ist bei dem hiesigen Steinkohlegas gar nicht ­notwendig, da die feuchte Kohle in Lothringen bereits natürlich gefrackt ist und Gas aus der Kohle und dem porösen Gestein auf natürlichem Wege entweicht“, so Focinal weiter. Fracking sei deshalb nicht nur unnötig, sondern auch unwirtschaftlich. Außerdem ist Fracking genauso wie in Deutschland gesetzlich verboten.
Bisher hat FDE Probebohrungen in einigen Orten im Département Moselle durchgeführt. Im November ist eine ­weitere Bohrung geplant. Zwischen 1.000 und 1.500 Meter tief reichen die Bohrungen und graben sich horizontal in 15 cm große Tunnel vorwärts bis zu 2 km weit. Bei verschiedenen Kohleschichten können von einem Standort aus mehrere Flöze angegangen werden. Wasser und Gas würden abgesaugt und hätten keine Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel, versichert Focinal. An 30 Standorten mit 6 bis 8 Bohrungen könnte am Ende in Lothringen Kohleflözgas gefördert werden, wenn die Genehmigungen vom französischen Umwelt- und Wirtschaftsministerium vorliegen. Am Ende würden außerdem rund 200 Arbeitsplätze herausspringen. Nea


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